Die Nachkriegszeit von 1945 bis 1955

Trotz großer Not und Erschwernisse finden sich die Hochländer wieder zusammen, um wieder aufzubauen, was an materiellen, aber auch ide­ ellen Werten verloren ging.

1945

unterbrechen der Zusammenbruch der staatlichen Ordnung und die Anordnungen der Militärregierung zunächst jede Vereinstätigkeit. Trotzdem reißt die Verbindung zwischen den Sektions­ und Ausschussmitgliedern nicht ab. Die Hochländer treffen sich jetzt beim Stamm­ tisch im Löwenbräukeller. Auch die Touren­ tätigkeit, besonders unter den jüngeren Mit­ gliedern, kommt in erfreulichem Maße wieder in Schwung. Im November bildet sich unter Vorsitz von Josef Paur ein vorläufiger Aus­ schuss, dem als Zweiter Vorsitzender Hans Ackermann und als Mitglieder Dr. August Siebauer, Dr. Wilhelm Fiedler, Willy Altweg, Franz Maier und Matthäus Hüttenhofer ange­ hören. Den Hüttenbetrieb bringen tatkräftige und bewährte Mitglieder wieder in Gang.

1946 

wird im Februar der Antrag auf Wieder­ aufnahme der Vereinstätigkeit gestellt. Nach Rücktritt von Josef Paur übernimmt Hans Ackermann den Vorsitz des vorläufigen Aus­ schusses. Im Frühjahr wird die Wimbach­ grieshütte in gutem Zustand und mit allen Be­ sitztümern, die seit der Übernahme 1934 von der Sektion eingebracht wurden, wieder an den Touristenverein „Die Naturfreunde“ zurückge­ geben. Günther Stemmer stürzt am Wörner töd­ lich ab.

1947 

im Juni wird der Sektion die Ge­ nehmigung zur Wiederaufnahme der Vereins­ tätigkeit gewährt unter der Voraussetzung, dass sich die Sektion „Alpenclub Hochland“ nennt und dass die vor 1933 geltende Satzung als vor­ läufige Satzung gilt. Auf Anordnung der Militärregierung dürfen nur politisch unbe­ lastete Personen oder solche, die höchstens als Mitläufer eingestuft werden, Mitglied sein. In der ordentlichen Mitgliederversammlung am 05. November wird der erste Ausschuss nach dem Krieg wie folgt gewählt:

Erster Vorsitzender Hans Ackermann

Zweiter Vorsitzender Josef Paur

Erster Kassenwart Dr. Wilhelm Fiedler

Zweiter Kassenwart Willy Altweg

Erster Schriftführer Willy Altweg

Zweiter Schriftführer Ludwig Mayer

Hochlandhütte Hanns Herkert Ernst Lipfert

Soiernhaus Josef Greindl Theo Peter

Blaueishütte Willy Altweg

Arnspitzhütte Franz Maier

Mühltalalm Fritz Erhardt Walter Berleb

Touren­ und Skiwart Matthäus sowie Jungmannschaft Hüttenhofer

Im November beginnen im Hofbräuhaus wieder die Lichtbildervorträge und die Sektions­ abende.

1948

im Frühjahr übernehmen die Münchner Alpenclubs unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern des „Alpenclub Hochland“ die Schutträumung im Alpinen Museum. Noch vor der Währungsreform beginnen Hochländer mit der Wiederherstellung des fast vollständig ver­ fallenen unteren Soiernhauses. Die westliche Hälfte des Gebäudes baut die Bergwacht Krün aus. Dieser Teil wird der Bergwacht bis auf weiteres zur Verfügung gestellt. Die Jungmann­ schaft und die Jugendgruppe nehmen wieder verstärkt die alpinen Tätigkeiten auf. So führt die Jungmannschaft einige Hochtouren in der Großglocknergruppe durch und macht einige Erstbegehungen im Karwendel.

1949 

ist es endlich möglich, den nie geliebten Namen „Alpenclub“ abzulegen und wieder den vertrauten Namen „Alpenverein Sektion Hoch­ land e. V.“ zu verwenden. Die notwendigen Re­ paraturen an unseren Hütten stellen die Sektion fast vor unlösbare Aufgaben. Nach einem Spen­ denaufruf zeigt sich wieder einmal der altbe­ währte Hochlandgeist. Es kommt zu beträcht­ lichen Geld­ und auch Materialspenden, die zu­ sammen mit freiwilligen Arbeitsleistungen von Hochländern jeden Alters die Arbeiten an den Hütten ermöglichen. Im Oktober wird das 40­ jährige Bestehen der Hochlandhütte gefeiert. Gleichzeitig wird eine Gedenkfeier für die 66 Gefallenen des Zweiten Weltkrieges abgehalten und auf dem Gipfel des Wörner wird ein Kreuz errichtet. Dr. Fritz März und Heinz Steinmetz tragen das Kreuz zum Gipfel. Zur Einweihung versammeln sich 52 Hochländer auf dem Gipfel. Im Herbst wird die Baumoosalm im Traithengebiet zunächst für fünf Jahre ge­ pachtet. Mitglied Gustl Bernatz unternimmt eine Reise „Kreuz und quer durch USA“. Alois Degani stürzt am Hochwanner tödlich ab.

1950 

wird nach einigen vorbereitenden Ver­ sammlungen, an denen Hans Ackermann und Hans von Bomhard beteiligt sind, in Würzburg der Deutsche Alpenverein wiedergegründet. In den Verwaltungsausschuss des DAV wird Hans Ackermann als Referent für Jugendbergsteigen und Jugendwandern gewählt. Hans Ackermann ist jahrelang eine der stärksten Persönlichkeiten im Alpenverein. Er bekleidet noch das Amt des Kulturreferenten und des Schatzmeisters. Ins­ gesamt ist er 15 Jahre im Verwaltungsausschuss tätig.

1951

stürzt Rudolf Kühles an der Kampen­ wand tödlich ab. Unser Gründungsmitglied Ignaz Stiefel stirbt. Die Blaueishütte wird um­ gebaut. Der Hüttenreferent Willy Altweg schreibt in seinem Bericht: „... die kleine, sich gut ins Gelände schmiegende Hütte hat sich in ein recht massives Haus, das sich mit ver­ änderter Front darbietet, verwandelt. Dies war unumgänglich, um eine Unterkunft zu schaffen, die den vom immer steiler werdenden Blaueis­ gletscher drohenden Lawinen standhalten kann.“ Auch bei den anderen sechs Hütten wird kräftig gearbeitet und instandgesetzt. Durch Erreichen der Altersgrenze hat die Jungmann­ schaft de facto aufgehört zu bestehen.

1952 

steht ganz im Zeichen des 50­jährigen Sektionsjubiläums. Den Höhepunkt bildet der Festabend, der von vielen Hochländern mit ihren Angehörigen und zahlreichen Ehren­ gästen besucht wird. Erstmals wird von einem Maiausflug anstatt des früheren „Altherrn­ Ausflugs“ berichtet. Die Tourenberichte weisen vermehrt Touren in die Westalpen auf. Durch die Grenzöffnung nach Österreich geht der Besuch unserer Hütten, besonders bei der Hochlandhütte, stark zurück. Herbert Sterner stürzt tödlich ab.

1953 

lehnt die Hauptversammlung der Sektion den Antrag, Damen als Gäste bei den Vor­tragsabenden zuzulassen, mit 32 gegen 31 Stim­men ab. Erst eine extra einberufene außeror­ dentliche Hauptversammlung ergibt ein klares Votum für die Damen. Dr. Fritz März leitet die „Deutsche Kordilleren­Kundfahrt 1953“, die auch von der Sektion Hochland unterstützt wird, und besteigt dabei erstmals den Ausangate (6384 m), den Colque Cruz (6111 m) und den 6010 m hohen Cayangate. Zwei weitere Mitglieder, Dr. Fritz Henkel und Friedrich Voigt, nehmen an der „Anatolien­ Kundfahrt des DAV 1953“ teil und besteigen dort eine Reihe von Bergen über 3000 m. Hans Halbig wird zum Hüttenreferenten für das Soiernhaus gewählt.

1954 

ist ein Jahr der Konsolidierung. Beson­ ders hervortretende Ereignisse gibt es nicht. Sorge macht die Jugendgruppe und die Jung­mannschaft. Es fehlt an starken Persön­lichkeiten, um beide Gruppen wieder aufzu­bauen und in Schwung zu bringen und an die alte Tradition eines Professor Josef Pölcher wieder anzuschließen.

Ludwig Lacher stürzt tödlich ab.

1955 

hält der Ausschuß eine Rückschau auf die ersten 10 Jahre nach 1945 und stellt fest, dass sich unsere kleine Sektion gut behauptet und entwickelt hat. Unsere sieben Hütten be­ finden sich in gutem Zustand, die Sektion ist in wichtigen Gremien des DAV vertreten und das Sektionsgeschehen hat einen hohen Standard erreicht, der an die Vorkriegszeit anschließt. In Herbert Fingerle wird ein Leiter für die Jugend gefunden, der sofort auch wieder die Touren­ tätigkeit in Gang bringt.

Am 28. Dezember wird die Blaueishütte durch eine Lawine vollständig zerstört.

 

 

 

Mitgliederzahlen 1948 - 1956

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