Die „Zwanziger“ Jahre von 1919 bis 1932

Nach Krieg und Revolution richtet sich das Augenmerk der Sektion zunächst auf den Bau und Erwerb von Hütten und den Ausbau des Arbeitsgebietes. Ende der Zwanzigerjahre beginnt die große Zeit der Expeditionen. Hochländer spielen dabei eine herausragende Rolle.

1919 

wird das Gedenkkreuz für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs bei der Hochlandhütte unter zahlreicher Beteiligung der Mitglieder und der Mittenwalder Bevölkerung feierlich eingeweiht. Das Tourenwesen leidet, wie schon in den Kriegsjahren, weiter unter den Verkehrsbeschränkungen. Skiausrüstung darf in die Züge nicht mitgenommen werden. Findige Hochländer finden schnell heraus, dass Holztransporte im Zug nicht verboten sind. So wer­ den die Ski in Baumrinde gewickelt und noch ein Prügel dazu gepackt und schon geht’s ab ins Gebirge. Auf diese Weise schafft es ein Hochländer 35 Skitouren durchzuführen.

Die Jugendgruppe schrumpft auf sieben Mitglieder.

Der Sektion gelingt es, „im Soierngebiet das ehemalige Königshaus, das Stallgebäude am Soiernsee und den Pavillon auf der Schöttlkarspitze unter günstigen Bedingungen zu­ nächst auf 15 Jahre pachtweise zu erwerben“. Als neues Arbeitsgebiet wird die Hochkaltergruppe übernommen.

1920 

nimmt nach Krieg und Revolution das Sektionsleben kräftigen Aufschwung. Es wer­ den 48 Sektions­ und Führungstouren durch­ geführt, 20 Vortragsabende und 8 alpine Abende („bergsteigerische Belehrung und Unterweisung“) werden veranstaltet. Professor Ernst Enzensberger wird der erste Jugend­ referent des DÖAV. Dieses Amt übt er bis 1928 aus. Die Jugendgruppe nennt sich jetzt Jung­ Hochland. Unweit der Hochlandhütte wird eine kleine Jagdhütte („Birkhofer­Hütte“) käuflich erworben. Max Gersdorf stürzt an der Gruben­ karspitze und Karl Stoiber an der Fleischbank­ Ostwand tödlich ab. Hans Dorn erfriert am Dachstein.

1921

werden am 21. August die Soiernhäuser unter Teilnahme zahlreicher Mitglieder und Gäste aus Krün, Mittenwald und anderer alpiner Vereinigungen feierlich eröffnet. Die kirchliche Weihe nimmt der Erzbischof von Bamberg vor, der gerade seinen Urlaub in Mittenwald verbringt. Die außerordentliche Generalversammlung am 05. Oktober beschließt den Bau einer „hochalpinen, unbewirtschafteten Unterkunftshütte im Blaueiskar am Hochkalter.“ Bei Jung­Hochland steigt die Mitgliederzahl auf 35. Die Skiläufervereinigung pachtet die Oberaudorfer Alm und die Mühltalalm.

In der Sitzung am 02. Mai des Ortsausschusses der Münchner Sektionen wurde unter anderem behandelt der „Protest gegen die Gründung einer jüdischen Sektion Donauland (Wien), eine Angelegenheit, die im großen Alpenverein drei Jahre hohe Wellen schlug und auch unsere Sektion zu verschiedenen Anträgen in der Hauptversammlung veranlasste“. Über die Sitzung des Ausschusses am 1. Juli heißt es: „Antrag der Wiener Sektionen: Missbilligung des Beschlusses des Hauptausschusses: Gründung der Sektion Donauland und deren Auf­ nahme in den Alpenverein Misstrauensvotum gegen den Hauptausschuss“.

1922 

wird am 08. Oktober die Blaueishütte eingeweiht und eröffnet. Dem langjährigen Ersten Vorsitzenden Heinrich Lieberich wird als erstem Hochländer die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

1923 

ist durch die Geldentwertung ein katastrophales wirtschaftliches Jahr. Nur durch die Mitglieder übersteht die Sektion das schwierige Jahr. Die Chronik enthält eine 20 Milliarden Reichsbanknote aus dieser Zeit. Trotzdem gehen die Hochländer fleißig ins Gebirge. Der Tourenbericht von Dr. Allwein weist 141 Bergbesteigungen jeden Schwierigkeitsgrades auf.

1924 

wird das von Mitglied Studienprofessor Anton Sterner entworfene und noch heute ver­ wendete Sektionszeichen eingeführt. Große Teile des bayerischen Karwendelgebirges wer­ den auf Betreiben der Sektion und besonders des früheren Vorsitzenden Josef Seeber zum Naturschutzgebiet erklärt. Hans Beck stürzt am Bettelwurf tödlich ab.

1925

wird am 18. Januar unter Beteiligung von 50 Hochländern die Mühltalalm eingeweiht. Am 25. August gelingt Dr. Eugen All­wein und Wilhelm Welzenbach die Erstbesteigung des Dent d’Herens über die gerade Nordwand. Die Sektion tritt der Bergsteigergruppe Alpenvereins bei, deren Vorsitzender Dr. Allwein bis zur Auflösung 1938 ist.

1926 

wird „Der Hochländer“ Mitteilungen der Alpenvereinssektion Hochland eingeführt. Sie sollen ein Verbindungsglied zwischen der Leitung der Sektion und den Mitgliedern dar­ stellen. Die Schriftleitung obliegt Dr. Eugen Allwein. Am 25. Juli wird der heiß umkämpfte Erweiterungsbau der Hochlandhütte eingeweiht. Hans Huber gelingt die Erstbesteigung des Nevado del Tolima (5600 m) in den kolumbianischen Kordilleren.

1927 

steht ganz im Zeichen des 25­jährigen Stiftungsfests. Am Vorabend findet ein Herren­ abend statt, zu dem sich 300 Mitglieder ein­ finden. Den Höhepunkt des Jubiläums bildet der Festabend, zu dem sich die Münchner Sektionen, Verbände und Vereinigungen sowie sehr viele Hochländer mit ihren Damen ver­ sammeln. Der Vertreter des Hauptausschusses würdigt die Verdienste der Sektion auf den ver­ schiedensten Gebieten des Alpinismus. Der Erste Vorsitzende der Sektion München, Dr. Leuchs, hebt rühmend hervor, „dass Hochland sich eine führende Stellung nicht nur in München, sondern im ganzen Alpenverein erobert hat“.

Ignaz Stiefel dichtet und arrangiert ein Festspiel, das einen „Hymnus auf die Heimatliebe“ darstellt.

Der Ausschuss befasst sich mit einem Antrag zur Änderung der Satzung des Alpenvereins. Die Hauptversammlung des DÖAV in Wien nimmt den Antrag an. Somit lautet § 1 der Satzung wie folgt: „Zweck des D. u. Oe. Alpenvereins ist, die Kenntnis der Hochgebirge zu erweitern und zu verbreiten, das Bergsteigen zu fördern, das Wandern in den Ostalpen zu erleichtern, ihre Schönheit und Ursprünglichkeit zu erhalten und dadurch die Liebe zur deutschen Heimat zu pflegen und zu stärken.“ Die Sektion Hochland ist mit etwa 30 Mitgliedern bei der Hauptver­sammlung vertreten.

Franz Mayer wird die Betreuung der Arnspitzhütte übertragen. Die 212 eingereichten Tourenberichte weisen 5159 Gipfelbesteigungen auf. Am Sektionsabfahrts­ lauf vom Brauneck beteiligen sich „80 Hochländer jeglichen Alters“.

1928 

stürzt Julius Marschall an der Kleinen Halt tödlich ab und der Junghochländer Wil­helm Frauenholz kommt in einer Lawine ums Leben.

Mitglied Paul Bauer organisiert und leitet die Kaukasus Expedition der Sektion Hochland und des AAVM (Akademischer Alpenverein München).

Er und die Mitglieder Dr. Ernst Beigel, Hans Niesner sowie Julius Brenner und Heinz Tillmann vom AAVM ma­ chen insgesamt 46 Gipfelbesteigungen zwi­ schen 3500 und 5200 m mit einer Reihe von Erstbesteigungen. Dr. Eugen Allwein nimmt an der Alai (Pamir)­Expedition des DÖAV teil und ersteigt erstmals den Pik Lenin mit 7134 m. Insgesamt werden 38 Erstersteigungen erzielt. Im Herbst brennt der Pavillon auf der Schöttelkarspitze vollständig ab. Böse Zungen sprechen von einem „Freudenfeuer“.

1929

steht ganz im Zeichen der deutschen Himalaja­ Expedition. Die Expedition wird vor­ bereitet und geleitet von unserem Mitglied Paul Bauer. Von der Sektion nehmen teil: Dr. Eugen Allwein, Peter Aufschnaiter, Dr. Ernst Beigel und Willy Fendt. Das Ziel, den 8598 m hohen Kangchenzönga zu besteigen, wird nicht er­ reicht, denn mehrtägiger Schneefall und schlechtes Wetter zwingen in 7400 m, diese Höhe erreichen Dr. Eugen Allwein und Paul Bauer, zur Umkehr. Der Tourenbericht von Dr. G. Müller weist 205 Bergbesteigungen auf. Am 01. März stirbt der ehemalige Erste Vorsitzende und Ehrenmitglied der Sektion Heinrich Lieberich.

Im April wird die „Jungmannschaft der A.V.S. Hochland“ gegründet.

1930

stürzt Dipl.­Ing. Friedrich Müller an der Torstein Südwand tödlich ab. Im Oktober wird auf der Schöttelkarspitze ein neues Gipfelkreuz eingeweiht. Hermann Schaller besteigt erstmals die Aiguille Noire de Peutéret über den Südgrat. Die Tourenberichte der Jungmannschaft enthalten insgesamt 569 Touren und 337 Skitouren.

1931

zieht es die Hochländer wieder in den Himalaja, um erneut den Kangchenzönga in Angriff zu nehmen. Unter Leitung von Paul Bauer nehmen die Mitglieder Dr. Eugen Allwein, Peter Aufschnaiter, Willy Fendt und Hermann Schaller an der Deutschen Himalaja­ Expedition 1931 teil. Leider stürzt Hermann Schaller mit dem Träger Pasang am Seil tödlich ab. Auch diesmal bleibt der Erfolg versagt. Dr. Eugen Allwein schreibt in seinem Bericht:

„Was wir hinter dem Sporngipfel (8000m) sahen war wenig verheißungsvoll ... ein schar­ fer Grat ... ein steiler Schneehang ... sieht dieser Hang sehr verdächtig aus; ... ein Teil der Schneeauflage ist als Schneebrett schon abgegangen ... ein anderes Schneebrett hängt absturzbereit quer über den ganzen Hang; ... Wahnsinn, ihn direkt anzugehen, Wahnsinn auch jeder Versuch, einer Umgehung. ...geschlagene 2 Stunden sitzen wir und überlegen ... bis wir uns den endgültigen Verzicht abbrin­gen können.“

Die Jungmannen Hans Ackermann, Toni Greindl, Rolf Richter und Walter Schäfer durchqueren die Südkarpaten.

1932 

ist auch wieder ein sehr aktives Bergjahr. Mitglied Herbert Kunigk beteiligt sich an der Nanga Parbat­ Expedition und macht die Erstbesteigung des Rakiok Peak mit 7068 m. Eine Gruppe Hochländer unternimmt bemer­kenswerte Touren in der Hohen Tatra. Mitglied Siegfried Neumann besteigt 17 Berge in den Anden, darunter den Illimani. Toni Wiedemann, Mitglied seit 1931, begeht die Lalidererspitz­ Nordkante, die Laliderer Nordwand und die Totenkirchl Westwand. Die Tourenberichte der 16 Jungmannen verzeichnen insgesamt 1154 Touren.

Leider verunglücken auch drei junge Hochländer tödlich: Kurt Friedrich, Werner Ganter und Willy Rapp.

Das Tourenprogramm enthält nicht weniger als 82 Führungstouren, 15 davon allein von Toni Greindl.

Mitgliederzahlen 1919 - 1932

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